Urlaub = Beziehungskrise?!

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Pauline´s House © Ulrich Krämer

Erst Urlaub und dann
fliegen die Fetzen?!

Für viele Paare ist die
Urlaubs-Zeit alles andere als erholsam. Bundesweit ist seit vielen Jahren die Trennungsquote nach der Sommerzeit am höchsten. Pauline hat den Berliner Familientherapeuten CHRISTOPH UHL gefragt, …

 

… woher dieses Phänomen rührt, dass es kriselt, die Fetzen fliegen und schließlich enttäuschte Partner aus dem Urlaub zurückkehren und  – natürlich auch – wie Paare sich davor schützen können. 

Christoph_Uhl_Dipl.Psychologe_Berlin

© Privat

Pauline: Wie verbreitet ist die Trennung nach dem Urlaub?  

Christoph Uhl: Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich 20 Prozent der unglücklichen Paare nach dem Urlaub trennen, einigen Schätzungen von Fachleuten zufolge trennen sich sogar zwei Drittel der Paare nach den Ferien. Jede dritte Scheidung wird nach dem Urlaub eingereicht.  

Pauline: Woran liegt das? Warum trennen sich so viele Paare nach dem Urlaub?  

Christoph Uhl: Soviel ist sicher: Am Urlaub liegt es nicht. Kein Paar trennt sich, nur weil der Urlaub schief gelaufen ist. Vielmehr ist es so, dass selbst der gemeinsame Urlaub keine Erfüllung mehr bringt oder während des Urlaubes der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Der Trennung nach dem Urlaub geht immer eine mehr oder weniger längere Geschichte voraus, die ihren Anfang vor dem Urlaub hat: Einem oder beiden Partnern fehlt etwas in der Beziehung. Ein oder mehrere Bedürfnisse bleiben zu lange ungestillt. Dann kommt es schon im Alltag zu andauernder Unzufriedenheit, schwelenden Konflikten, immer wiederkehrenden Streitereien.  

Pauline: Warum kommt es dann ausgerechnet im Urlaub, wenn es eigentlich am schönsten sein soll, zur Eskalation?  

Christoph Uhl: Genau darin liegt der Haken: Viele Paare wollen, dass der Urlaub besonders schön, erfüllend, romantisch wird. In diesen drei Wochen soll alles, was während des restlichen Jahres auf der Strecke bleibt, nachgeholt werden. Diesen Wunsch zu haben, ist natürlich nachvollziehbar. Wir alle wünschen uns im Grunde ja eine schöne Urlaubszeit. Doch eine solche Erwartung ist in vielen Fällen einfach zu hoch, besonders für Partnerschaften, die schon belastet sind. Dann ist der Ärger vorprogrammiert. Denn eine Beziehung kann binnen drei Wochen unmöglich alles das bieten, was sie während der anderen 49 Wochen des Jahres nicht zu bieten vermag.  

Pauline: Trifft es denn nur solche Paare, bei denen es schon kriselt?  

Christoph Uhl: Nein. Urlaub ist ja eine Art Ausnahmezustand, auf den sich die Partner manchmal erst noch einstellen und darauf abstimmen müssen. Bei stabilen Partnerschaften ist nur das Risiko deutlich geringer, dass es nach den Ferien zur Trennung kommt.  

Pauline: Macht es einen Unterschied, wohin der Urlaub geht?  

Christoph Uhl: Im Grunde nicht. Doch wenn ein Partner sich den Urlaubsvorstellungen des anderen zu sehr unterordnet und mit den eigenen Ideen auf der Strecke bleibt, steigt das Risiko für Streit.  

Pauline: Was können Paare tun, damit der Urlaub tatsächlich eine schöne Zeit wird?  

Christoph Uhl: Das Wichtigste ist, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Es wird vielleicht nicht jedem leicht fallen, doch von der Partnerschaft im Urlaub nicht mehr zu erwarten, als das, was sie ansonsten zu geben vermag, ist das Sicherste. Das heißt natürlich nicht, sich nicht mehr wünschen zu dürfen. Doch wer schon damit rechnet, dass es im Urlaub kaum deutlich anders sein kann, wird auch nicht so schnell enttäuscht. Das Gute daran: Wenn der Urlaub dann super läuft, ist das ein ordentlicher Schub für die Beziehung. Doch auch im Vorfeld kann schon einiges getan werden, um Zündstoff heraus zu nehmen: Eine gute Planung, damit die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden können, gegenseitige Zugeständnisse und eine Vereinbarung darüber, dass jeder auch einmal etwas allein unternehmen kann. Das sorgt auch für Gesprächsstoff am Abend.  

Pauline: Soll man denn bestehende Probleme in der Partnerschaft gar nicht ansprechen?  

Christoph Uhl: Doch, natürlich! Nur durch Gespräche werden sie sich lösen lassen. Paare sollten nur die Lösung der Probleme nicht in den Urlaub verlagern sondern darauf achten, ihn nicht zu überfrachten.  

Pauline: Ist es eine gute Idee, den Urlaub zum Kitten einer kriselnden Beziehung zu nutzen?  

Christoph Uhl: Ja und Nein. Wenn beide Partner diese Idee haben und nicht zu große Hoffnungen in den Urlaub setzen, kann diese Zeit sehr bereichernd sein. Aber nur, wenn der Urlaub ein Baustein von mehreren ist, um etwas Grundlegendes in der Beziehung zu verändern. Wenn die Rettung jedoch nur im Urlaub gesehen wird oder die Partner nur im Stillen auf ein Wunder hoffen, ist das Risiko für Enttäuschungen groß.  

Pauline: Die Trennung nach dem Urlaub ist also vor allem in den Fällen ein Thema, in denen die Beziehung schon vorher schwierig war. Ist das auch eine positive Nachricht über allen anderen Beziehungen?  

Christoph Uhl: Ja. Wir haben ja gesehen, dass nicht der Urlaub das Problem ist. Er beschleunigt nur eine ohnehin anstehende Trennung. Eine aktuelle Untersuchung aus diesem Frühjahr kommt zu dem Ergebnis, dass sich lediglich sechs Prozent der deutschen Paare im Urlaub häufiger streiten als zu Hause. Ich finde, das ist eine gute Nachricht!

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Coaching Berlin ist seit 20 Jahren eine der führenden zertifizierten Adressen in Berlin für modernes Coaching.
Christoph Uhl, der Kopf von Coaching Berlin, ist Dipl.-Päd., zertifizierter Coach (EASC), Management- und Organisationsberater, Supervisor, Lehrcoach, systemischer Therapeut und Paartherapeut.

 

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Christoph Uhl gibt PAULINE regelmäßig zu (fast) allen wichtigen Fragen des Lebens Antworten. Denn schließlich ist ihr Motto: PAULINE weiß, was das Leben schöner macht! 
Hier hat sie Christoph Uhl bereits zum Thema
HAUSPUTZ FÜR GEIST UND SEELE interviewt.

 

 

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