Mit dem ZEIT-Magazin auf dem Wochenmarkt

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© Silvio Knezevic

Die Welt ist voll von begnadeten Köchen, die mit größter Hingabe und Raffinesse 
die schmack-haftesten Gaumenfreuden aus den Tiefen eines Kochtopfes hervorzaubern können und die dann auch noch so nett sind, … 

 

… uns ihre Rezepte zum Nachkochen zu verraten. Das Gelingen der hohen Kochkunst in der eigenen, heimischen Küche setzt dann allerdings ein Mindestmaß an Talent und meist auch entsprechendes Equipment in der Küche voraus. Es soll aber tatsächlich Menschen geben, denen weder das eine noch das andere gegeben ist, um auch nur annähernd so gut kochen zu können, wie sie gerne essen möchten … und denen es vielleicht auch schlicht an Zeit fehlt. 

Genau für diese armen Kreaturen gibt es im ZEIT-Magazin die Kolumne „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether. Einfach und einfallsreich kochen mit den Zutaten der Jahreszeit –das ist ihr Motto. Und kochen muss man auch nicht können, wenn man den Worten der Mutter der Autorin Glauben schenken mag:

„Ich glaube, die Kolumne gefällt den Lesern, weil du gar nicht kochen kannst.“

Jedenfalls hat sie Recht: Den Lesern gefällt die Kolumne. Und darum gibt es die Rezepte vom „Wochenmarkt“ jetzt in einem Buch zusammengefasst. PAULINE hat drei ausprobiert und rät schon jetzt der Autorin – aus purem Egoismus – zu Band 2.

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Einfacher Selleriesalat

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© Silvio Knezevic

 

Zutaten für 2 Personen
1 mittelgroße Sellerieknolle, 1 Ei (hart gekocht, gehackt), 2 Tl Kapern (gehackt), Petersilie (klein gerupft), Essig, Olivenöl, Senf, Salz, Pfeffer 

Die Selleriewurzel ist wegen ihres kräftigen Geschmacks eines der ältesten Würzmittel der Menschheit. Doch heute wirkt die runzelige Knolle manchmal etwas fremd, wie sie da im Supermarktregal zwischen den Hochglanzpaprikas und den niedlichen Babygurken liegt. Machen wir aus der Knolle eine hübsche Prinzessin. Machen wir einen Selleriesalat. Dazu braucht man nicht unbedingt Mayonnaise. Es kann auch so gehen:

Aus Essig, Olivenöl, Senf, Salz und Pfeffer rührt man sich eine Vinaigrette nach seinem Geschmack zusammen. Wenn man das mit einem kleinen Schneebesen macht, bekommt die Vinaigrette eine cremige Konsistenz. Dann wird der geschälte Sellerie in 1 bis 2 cm große Würfel geschnitten. Diese werden in Salzwasser gar gekocht, was ungefähr 10 bis 15 Minuten dauert. (Oder noch besser: Der gewürfelte Sellerie wird in einem Dampfeinsatz über kochendem Wasser gegart.) Den gekochten Sellerie aus dem Wasser nehmen, beiseitestellen und etwas abkühlen lassen. Klein gehackte Kapern zur Vinaigrette geben und das Ganze in einer Salatschüssel mit den Selleriewürfeln vermengen. Ein hart gekochtes Ei grob hacken, zum Sellerie geben. Petersilie klein rupfen und zum Schluss über den Salat streuen.

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Gegrillter Radicchio

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© Jason Lowe

 

Zutaten für 1-2 Personen
1 mittelgroßer Kopf Radicchio, Olivenöl, 2 El geröstete, grob gehackte Walnüsse, 60g junger Ziegenkäse, 2 El gehackte, getrocknete Cranberrys, 2 El gehackte Petersilie, Salz, Pfeffer

So wie ein Kind mit dem Erwachsenwerden begreift, dass es etwas Beglückendes ist, abends ins Bett zu gehen, und nicht etwas, gegen das man sich schreiend zur Wehr setzen muss – so lernt es auch, dass Bitteres wohlschmeckend sein kann. Zum Beispiel Chicorée, dunkle Schokolade, Kaffee, Alkohol und Radicchio. Ein Vorbehalt bleibt aber, und den Anflug von Furcht muss auch der Erwachsene überwinden, wenn etwas bitter schmeckt. Deshalb wird Zucker in den Espresso gegeben und Soda in die Drinks, deshalb verzichtet die Lebensmittelindustrie in ihren Fertiggerichten auf die bittere Geschmacksrichtung gleich ganz. Und deshalb schmeckt vieles, was mal bitter war, heute gar nicht mehr so bitter. Die neueren Züchtungen des Radicchio zum Beispiel sind meistens so mild, dass man daraus ganz ohne Angst ein schönes, kleines Gemüsegericht machen kann.

Dafür werden die Blätter nicht wie üblich mit Dressing angemacht, sondern in der Pfanne gegrillt und zusammen mit Ziegenkäse, Walnüssen und Cranberrys gegessen (oder Rosinen, wenn die leichter zu besorgen sind). Die Blätter vom Salatkopf lösen. In einer Grillpfanne erhitzt man etwas Olivenöl und brät die Blätter von jeder Seite ungefähr eine Minute lang scharf an. Sie sollten ein bisschen gebräunt sein, aber noch Biss haben. Die Blätter auf einer Platte anrichten. Darüber gibt man die restlichen Zutaten: die Walnüsse, den zerbröselten Ziegenkäse, Cranberrys, Petersilie. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

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Hühnchen mit Kichererbsen

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© Silvio Knezevic

 

Zutaten für 4 Personen
4 Hühnchenschlegel, Olivenöl, 2 Zwiebeln, etwas Butter, 1/2 Tl Piment, Chilischote nach Geschmack (klein geschnitten), 1 Tl Kreuzkümmel, 2 Dosen Kichererbsen, 6 getrocknete Aprikosen, ca. 250 ml Hühner- oder Gemüsebrühe, Saft von 1 Zitrone, Crème fraiche nach Geschmack, frischer Koriander 

Ein Hühnchen in den Ofen schieben, 55 Minuten warten und es dann süß und scharf gewürzt die Kehle hinunterrutschen lassen – das sind zugegebenermaßen nicht die aufregendsten Momente im Leben. Aber wir wollen sie wertschätzen, diese Augenblicke der gemütlichen Langeweile, die wir mit Essenzubereiten und Essen verbringen.

Statt unserem Lieblingsextremsport nachzugehen oder eine unserer zahlreichen Liebesaffären zu pflegen, braten wir also 4 Hühnchenschlegel von beiden Seiten in einem schweren Topf in Oliven öl an. Wir fügen etwas Salz hinzu und nehmen das Fleisch wieder heraus, wenn die Haut eine braune Farbe angenommen hat. 2 Zwiebeln werden in kleine Stücke geschnitten und im verbliebenen Fett angebraten. Eventuell hat man vorher etwas Butter im Topf geschmolzen. Zu den Zwiebeln gibt man die Gewürze – Piment, Chili, Kreuzkümmel – und dünstet sie einen Augenblick mit an. Das Fleisch dann wieder dazugeben, ebenso die abgetropften Kichererbsen und die klein geschnittenen Aprikosen. So viel Brühe in den Topf gießen, dass das Fleisch zu drei Vierteln bedeckt ist. Das Ganze wird zum Kochen gebracht und kommt schließlich abgedeckt für 45 bis 55 Minuten bei 160 Grad in den Ofen. Wenn man die Haut des Hühnchens nicht entfernt hat, nimmt man für die letzten Minuten der Garzeit den Deckel vom Topf, schaltet den Ofen auf die Grillstufe um und lässt die Haut knusprig werden. Zum Schluss mit Salz, dem Saft einer Zitrone und Crème fraîche abschmecken und mit frischem Koriander bestreuen.

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Elisabeth Raether
Wochenmarkt 
Die frischen, einfachen Rezepte
aus dem ZEIT-MAGAZIN
Berlin Verlag

208 Seiten, geb., 
Euro 19.99 [D], 20.60 [A], sFr 28.90

 

 

 

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